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„Urkatastrophe“ in Meerbusch

„Urkatastrophe“ in Meerbusch
Der Vorsitzende des Meerbuscher Geschichtsvereins hielt einen beeindruckenden Vortrag über Meerbusch während des Ersten Weltkriegs. FOTO: Mike Kunze
Büderich. 211 aus Lank, 123 aus Osterath und 167 aus Büderich: 501 verstorbene Soldaten aus der Stadt Meerbusch wurden während des Ersten Weltkriegs gezählt. Der Geschichtsverein-Vorsitzende Mike Kunze hielt einen beeindruckenden Vortrag in Büderich. Von Alexander Ruth

Als Herausgeber der jährlichen Ausgabe des Meerbuscher Geschichtsheftes ist der Geschichtsverein Meerbusch seit 1984 eine feste Größe in der Stadt. Zusätzlich werden auf das Jahr verteilt mehrere Vorträge gehalten, die sich auf die laufende Reihe des Geschichtsvereins beziehen. Mike Kunze, der seit 2016 Vorsitzender des Vereins ist, startete vor zwei Jahren mit der Einführung der Vortragsreihe, die sich anfangs mit dem Haus Meer auseinandergesetzt hat. Mittlerweile werden beliebige Themen vorgetragen, die einen Bezug mit der Stadt Meerbusch aufweisen. Anlässlich des 100. Gedenktages an den Ersten Weltkrieg wurde dieses Mal ins Pfarrzentrum St. Mauritius eingeladen, wo Kunze einen Vortrag zum Ersten Weltkrieg und seinen Folgen im Meerbuscher Stadtgebiet hielt.

Als der Erste Weltkrieg am Martinstag im Jahr 1918 zu Ende ging, fand man Europa in Trümmern vor: Etwa 17 Millionen Menschen verloren ihr Leben, große Teile Europas waren zerstört und die Bevölkerung lebte in ärmlichen Verhältnissen. Nicht umsonst gilt dieses Ereignis in der Forschung als „Urkatastrophe des 20 Jahrhunderts“.

„Pro Tag haben im Durchschnitt 6.600 Soldaten ihr Leben verloren, jeden einzelnen Tag, viereinhalb Jahre lang“, so Kunze zu den Opferzahlen, von denen auch welche ihre Ursprünge im Raum Meerbusch hatten. Der erste Junge, der am neuen Taufstein der Kirche St. Mauritius getauft wurde und später sein Leben in der Schlacht von Verdun gab, hieß Mauritius Wienen. Sein Grab in Büderich ist eines der wenigen, die in Meerbusch überhaupt noch einen Bezug zum Ersten Weltkrieg haben. Viele Meerbuscher Familien bemühten sich die Gefallenen nach Hause zu holen, um sie zu beerdigen. Aus den Chroniken geht hervor, dass 501 verstorbene Soldaten aus der Stadt Meerbusch kamen: 211 aus Lank, 123 aus Osterath und 167 aus Büderich. „Wir haben 13.883 Einwohner in Meerbusch in den einzelnen Gemeinden zu der Zeit gehabt und davon sind knapp 500 nicht aus dem Krieg zurückgekommen. Im Vergleich zu ganz Deutschland positioniert sich Meerbusch prozentual gesehen im Durchschnitt“, so Kunze weiter. Insgesamt waren es zwischen 1914 und 1918 1.300 bis 1.500 Männer, die an der Front kämpften, 119 gelten als vermisst. 327 der Meerbuscher Soldaten, die ihr Leben im Krieg ließen, kamen aus dem einfachen Mannschaftsdienstgrad, 31 waren Unteroffiziere und neun Offiziere, davon einer aus der Familie von Arenberg, die im Schloss Pesch ihren Wohnsitz hatten. Neben den noch jungen Soldaten in der Altersklasse von 20 bis 25 Jahren zog auch eine große Anzahl von Familienvätern aus Meerbusch in den Krieg: 33 Prozent der Soldaten waren älter als 25 Jahre, 142 starben an der Front. Die beiden jüngsten Kriegstoten mit Meerbuscher Wurzeln waren 16 Jahre alt.

Kunzes Vortrag stieß auf große Begeisterung, sowohl bei der älteren Generation, als auch bei vielen jungen Menschen, die die Veranstaltung besuchten. Durch die Kombination aus Fachwissen, der Tiefgründigkeit und einem leichten Hauch von Humor bekamen die Zuhörer einen schockierenden Eindruck der Auswirkungen des Krieges, vor allem im Meerbuscher Stadtgebiet, der zum Nachdenken und Mitfühlen anregte.

(StadtSpiegel)