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Rührend: „Liesske, komm na Huus“

Lank-Latum. Die Mundart müsse man pflegen und genießen, sie wäre ein Erbstück, deren Erhalt innere Bereitschaft erfordere, stellte Johannes Toups, der Leiter des Lanker Mundartstammtisches, gleich zu Beginn der Veranstaltung fest. Lautstarker Beifall war ihm sicher. Von Alexander Ruth

Bauern, Pastoren, „Klompemääker“, Fischer, Soldaten, Wilddiebe und Zigarrenhersteller nahmen fiktiv am Programm teil, aber auch Pferde, Ziegen und Ferkel, ja sogar krabbelnde Pflaumen. So manche Episode – vor allem aus der Vor-Meerbusch-Zeit – erinnerten region- und sprachkundige Zuhörer oft an eigene Erlebnisse. Die Nachkriegszeit fühlt sich heute oft geradezu romantisch an. Das war sie mitnichten. Zum Beispiel berichtete Toups, wie im März 1945 US-Truppen das damalige Amt Lank besetzten und die Bevölkerung samt Nutztieren hinter die Bahnlinie Richtung Willich verwiesen. Im Mai kehrten die Menschen zurück, im Juli auch ein Großteil ihrer Pferde und Kühe – bewacht von Amerikanern. Aber wem gehörte was? Verlangt wurden Besitznachweise, die in schriftlicher Form fast niemand besaß. Ein Bauer erkannte sein Pferd und rief ihm freudig zu „Liesske, komm na Huus“, worauf das Tier den Kopf hob und zu seinem Besitzer trabte. So viel Anhänglichkeit überzeugte selbst den Besatzungs-Offizier. Der Nachweis galt als erbracht, Liesske durfte mit „na Huus“. Rührend für jene Zeit. Viele andere Haustiere hatten derweil auf unredliche Weise den Besitzer gewechselt.

Auch außerhalb der Jahre größter Not ging es hierzulande nicht nur ehrbar zu. Von einem Wilderer war zu erfahren, der im Herrenbusch vom Waldaufseher erwischt wurde, just als ein Jungschwein in die ausgelegte Schlinge geraten war. Die irdische Strafe dafür ist nicht bekannt, jedoch selbst der Pastor konnte den Frevler nicht bekehren. Im Gegenteil, im Tausch gegen eine erbetene Absolution bot er später dem Kirchenmann sogar einen gewilderten Hasen an. Der Geistliche lehnte ab. Nicht überliefert ist, ob und wie vielen Hasen er damit das Leben rettete.

Zahlreiche Anekdoten, Erlebnisse der Kultfamilie Lintermanns, Erklärungen mundartlicher Begriffe und Redensarten, „det on dat von osser Platt“ plus vieler plattdeutscher Lieder – gemeinsam mit dem Lanker Männer-Chor gesungen – machten den Abend amüsant und interessant. Es scheint, die von Toups erhoffte „innere Bereitschaft zum Erhalt der Heimatsprache“ bleibt noch lange existent.

(Report Anzeigenblatt)