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Karriere mit Mittlerer Reife

Karriere mit Mittlerer Reife
Der ehemalige Lehrer Rainer Prinz, die ehemaligen Realschüler Markus Siemes und Marcel Ziebert sowie Schulleiter Burkhard Wahner sind stolz auf ihre Realschule. FOTO: aru
Osterath. Am kommenden Wochenende starten die Anmeldeverfahren für die weiterführenden Schulen in Meerbusch. Ehemalige Schüler, der Schuldezernent, Schulleiter und Lehrer wollen Eltern ermutigen, ihr Kind auch bei der Realschule anzumelden. Von Alexander Ruth

Sie sind erfolgreich, haben Spaß an ihrer Arbeit – und sie wollen Meerbuscher Eltern Mut machen, ihre Kinder auf die Realschule zu schicken: Die ehemaligen Realschüler Markus Siemes (43) und Marcel Ziebert (38) haben sich jetzt mit Schuldezernent Frank Maatz und Burkhard Wahner als Leiter der Realschule sowie dem Lehrer im (Un)Ruhestand Rainer Prinz getroffen, um die Fahne für die Realschule in die Höhe zu halten. Denn: „Man kann auch Erfolg haben, wenn man Mittlere Reife hat“, so alle Beteiligten gleichzeitig. Gerade in der heutigen Zeit sei es wichtig, nicht nur das Gymnasium im Auge zu haben. Möglicherweise aus reinen Prestige-Gründen. Viele Lehrer empfehlen in ihren Grundschulgutachten zwar für viele Viertklässler, dass sie besser auf der Realschule als auf dem Gymnasium aufgehoben wären, daran halten sich aber nicht alle Eltern. Das Allentscheidende bei der Überlegung „Welche Schule für mein Kind“ ist natürlich der Elternwille. „Da hakt es aber manchmal“, sagt Frank Maatz. Die Beobachtung der vergangenen Jahre: „Schülermengen in der Stärke von ganzen Klassenzügen wechseln im siebten oder achten Schuljahr zur Realschule“, sagt Realschulleiter Burkhard Wahner: „Manchmal könnten wir mit den Schulformwechslern komplette Klassen füllen.“ Da aus den Wechslern keine eigenständige Klasse errichtet wird, sondern Schüler aus den drei schon bestehenden Klassen dann mit den „Neuen“ vermengt werden, zerreißt es dann die „alten Klassen“. Und dazu kommt: „Für die Kinder sind diese gebrochenen Schulbiographien oft nicht so gut“, so Schuldezernent Frank Maatz. Sein Appell richtet sich darum an die Eltern, die zurzeit nicht verbindlichen Grundschulgutachten zum Ende der vierten Klasse zu akzeptieren und das Kind nicht zwanghaft aufs Gymnasium zu schicken. Wahner: „Außerdem kann ja jeder auch nach der Mittleren Reife noch Abitur machen – draufsatteln kann man immer.“ In 80 Prozent der Schulwechsler-Fälle seien zum Ende der Grundschulzeit auch genau die Gutachten geschrieben worden, die eine Realschule empfohlen haben. Und dass die Realschule immer noch alle Wege offen hält, weiß der ehemalige Lehrer Rainer Prinz: „Ich habe gerade mit einem ehemaligen Schüler gesprochen, der jetzt Doktor ist.“ Und das lebende Beispiel sind nicht nur Meerbuscher in der Ferne, sondern auch direkt vor Ort. Markus Siemes (43) und Marcel Ziebert (38) sind mit ihren Jahren auf der Realschule absolut zufrieden - und dem späteren Lebensweg: Markus Siemes machte nach der Mittleren Reife eine Lehre als Baumschulist und übernahm mit Anfang 20 den elterlichen Gartenbau-Betrieb. Seitdem stellt er liebend gerne Realschüler im Betrieb ein. Marcel Ziebert legte noch das Fachabi nach, machte seine Lehre in der Kfz-Branche und ist jetzt Werkstattleiter im Autohaus Nauen in Osterath. Fazit: „Wir können die Realschule nur wärmstens empfehlen.“

(StadtSpiegel)